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Archiv
01.02.2011, 16:00 Uhr
Salzgitter hat eine längere Automobil-Tradition als vermutet – Produkte ehemaliger Hersteller aus unserer Stadt begegnen uns heute täglich im Straßenbild
Salzgitter-Bad (Ve). Auf der ersten Zusammenkunft in 2011 der Senioren-Union begrüßte der Vorsitzende Friedhelm Gronow über 80 Anwesende. Wie angekündigt referierte Hans-Georg Knöß, Ortsheimatpfleger für Salzgitter-Bad, über die industrielle Entwicklung Salzgitters. Wer glaubte, hier etwas über die aktuell größten Industriebetriebe zu hören, wurde überrascht. Hans-Georg Knöß behandelte den Zeitraum von 1860 bis etwa 1970.
Hans-Georg Knöß bei seinen spannenden Ausführungen
Sicherlich war auch es das Thema, das deutlich mehr Gäste und Mitglieder als zu einer „normalen" Monatsversammlung in das Kniestedter Herrenhaus geführt hatte. So war der Kuchen schon „vergriffen", bevor die Veranstaltung begonnen hatte.
 
Hinter einem geschichtlichen Vortrag erwartet der Zuhörer u. U. eine trockene Aufzählung von Jahreszahlen und Ereignissen. Hier gelang es Hans-Georg Knöß jedoch, das Publikum angenehm zu überraschen. Anerkennende Zustimmung war sicher auch dadurch gegeben, daß der Ortsheimatpfleger bekannte Namen mit den geschilderten Ereignissen verknüpfen konnte. Da einige der erwähnten Firmen über die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts existierten, kam immer wieder ein erinnerndes Kopfnicken oder „ach ja" von den Anwesenden.

Als ältestes Unter- nehmen schilderte Knöß die Entwick- lung der mechani- schen Leinenweberei in Salzgitter. Die Badenser Theodor Christian Möker, Ludwig Gercke und Carl Ahrens grün- deten 1858 eine Spinnerei in Salzgit- ter. Nachdem Gercke und Ahrens die Firma verlassen hatten, wurde sie ab 1878 von Möker allein weitergeführt. Später kamen andere Partner hinzu. 
 
Erweitert um eine Weberei blieb das Unternehmen bis 1939 am Standort Gittertor. Danach wurden der Unternehmenssitz und die Produktion nach Stadtoldendorf verlegt. Theodor Christian Möker wird häufig als Erbauer des Bismarck-Turms genannt. Das kann jedoch gar nicht stimmen, da er 1896 starb. Zum Zeitpunkt der Errichtung des Bismarckturmes im Jahr 1900 lebte er bereits nicht mehr.

Der Salzgitteraner Schlos- sermeister Hermann Spring gründete 1911 eine Maschinenfabrik an der heutigen Breslauerstraße. Das Unternehmen verkraftete die Wirtschaftskrisen der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht und wurde 1919 von der Maschinenfabrik Salzgitter Brüel & Co. übernommen. Nach deren Konkurs 1930 übernahmen die Mitarbeiter Weimar und Arlet das Unternehmen und führten es bis Anfang 2000 unter dem Namen B. Weimar Nachf. weiter.

Anton Raky aus Erkelenz ist als weiterer Name mit der Industriegeschichte Salzgitters verbunden. Raky war ein Pionier der Tiefbohrtechnik. Er bohrte sehr erfolgreich nach Öl, Salz und Eisenerz. Nachdem er Erkelenz verlassen mußte, gründete er 1919 in Salzgitter die Gesellschaft „Anton Raky Tiefbohrungen". In unserer Region erschloß er Eisenerzfelder. 1920 gründete er zusammen mit der „Rombacher Hütte" und der „Ilseder Hütte" die „Bergbau AG Salzgitter". Er bohrte erfolgreich nach Erdöl im Oberrheintal und bei Berkhöpen. Durch die kostspieligen Aufschlußarbeiten wurde die Firma 1932/33 zahlungsunfähig.

Interessant ist auch die Geschichte der Niedersächsischen Auto- und Motoren-Instandsetzungswerke Janssen und Mikolajczyk. Janssen kam 1945 mit der kompletten Ausrüstung eines Autoreparaturzuges der Wehrmacht nach Salzgitter und begann mit der Reparatur von Kraft- fahrzeugen. Anfang 1947 trat Josef Mikolajczyk in das Unternehmen ein.

Janssen hatte gute Beziehungen zu den amerikanischen Besatzern und über- nahm von ihnen massenhaft ausge- musterte Jeep-Moto- ren, später ganze zerstörte Jeeps. Die Fahrzeuge wurden in Salzgitter umgebaut und fanden reißen- den Absatz. Durch die Intervention eines anderen großen Automobilwerkes und der Politik mußten sie in Autowerke Salzgitter (AWS) umfirmieren. Auf der IFA 1949 und 1950 feierte die Firma mit ihrem „Salzgitter-Jeep" große Erfolge. 1950 wurde der Firma „der Geldhahn zugedreht". Im September 1951 wurde versucht, die Firma wiederzubeleben. Ludwig Elsbeth baute auf dem Gelände verschiedene Motoren. Er konstruierte auch einen Mittelklassenwagen, der in Salzgitter gebaut werden sollte. Die Wiedereröffnung der AWS scheiterte jedoch auch wieder an verweigerten Krediten. Über den Bau von einigen Prototypen des Elsbeth-Wagens kam die Gesellschaft nicht hinaus.

Der Danziger Kurt Kannenberg gründete 1923 in seiner Heimatstadt die Fahrzeugwerke Kannenberg. Nach dem 2. Weltkrieg kam Kannenberg nach Salzgitter und gründete die Firma hier neu. Zunächst wurden nur Fahrzeuge repariert, danach baute man recht erfolgreich Motor-Rikschas für den fernen Osten. Ab 1948 kamen Anhänger dazu und wenig später Omnibusse. Zunächst fertigte man Aufbauten auf Fahrgestellen von Hentschel, Hanomag und Büssing. 1954 stellte Kannenberg als erste Eigenentwicklung den FAKA Leichtbus SK vor. Als Antriebsaggregat wurde ein Henschel-Motor zugekauft. 
 
1958 übernahm FAKA die Produktionsstätten der Fa. Hermann Harmening in Bückeburg und verlegt die Firma nach dort. Nachdem 1960 die Busherstellung aufgegeben wurde, konzentrierte man sich auf Wechselpritschen und Container. 1973 wurde FAKA von der Fa. Kögel übernommen und als Werk Bückeburg weitergeführt. Kögel produzierte ursprünglich Landwirtschaftsanhänger und entwickelte sich zum Hersteller von Kippanhängern, Sattelaufliegern und Aufbauten. Nach Zahlungsschwierigkeiten wurde Kögel 2009 vom Unternehmer Humbaur übernommen, die Kögel-Produkte werden als eigenständige Marke weitergeführt.

(Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie mal hinter einem LKW herfahren, achten Sie auf Kögel. In jedem Kögel-Auflieger steckt auch ein wenig FAKA, d. h. Salzgitter begegnet uns täglich viel häufiger auf den Straßen Europas als es uns bewußt ist.)

Mit seinem informativen Vortrag hat der Ortsheimatspfleger Hans-Georg Knöß anschaulich dargestellt, daß Salzgitter mehr ist als „nur Salz" und es auch vor den „Reichswerken" schon eine bemerkenswerte Industrie-Landschaft bei uns gegeben hat. Die Anwesenden waren von den Informationen stark beeindruckt und dankten dem Referenten mit vielen Nachfragen und Applaus.
 
Die Bilder aus dem Vortrag stellte uns Hans-Georg Knöß freundlicher- weise zur Verfügung.



 

 
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